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Hallo zusammen,

"und wenn du glaubst, es geht nix mehr, kommt von irgendwo ein Superzellchen her!" Passender hätte das Motto an diesem gestrigen Abend kaum sein können. Gegen 16 Uhr beschlossen Patrick, Lars und ich ein wenig Natur zu genießen und ein paar schöne Quellwolken irgendwo im Bergischen Land abzulichten. Daher brachen wir in Richtung Südwesten auf. Auf der A1 in Richtung Wuppertal machten wir Halt auf einem Autobahnrastplatz, denn es sah plötzlich so gar nicht mehr nach interessantem Wetter aus. Der Himmel zog sich gammelig zu; Stratus hieß wie so oft der Spielverderber. Also was tun? Umdrehen und nach Hause fahren, sodass man dann die ganzen Kilometer umsonst gefahren ist? Nein, das konnte nicht die Lösung sein! Also erstmal ein Eis essen! Gesagt, getan. Wir taten dies in einer kleinen Eisdiele in Niedersprockhövel im Landkreis Ennepetal! hmm, der After-Eight-Becher war einfach lecker :-)

Als wir damit fertig waren, sahen wir plötzlich einige nette Quellungen über dem Bergischen Land in Richtung Süd und Südost. Also Radar gecheckt. Tatsächlich! Es löste wieder aus! Nach kurzer Fahrt hatten wir einen Parkplatz mit freier Sicht in diese Richtung in Obersprockhövel gefunden. Vor uns stand nun eine schöne Zelle, aus der es hin und wieder leise rumorte. Der StrikeAlert von Patrick schlug nun auch an. Einige Minuten später konnten wir einige Blitze erkennen. Recht nett für den Anfang der Chasingsaison.








Die nebenstehenden Quellungen in Richtung Südost und Ost wollten auch noch hoch hinaus und machten uns damit Hoffnung, zerfielen aber wieder recht schnell. Aller Anfang ist eben doch schwer:






Als die elektrische Aktivität der ersten Zelle im Süden dann ganz versiegte, haben wir noch schnell einige Bilder von der Zelle aufgenommen, da wir mit keinem erneuten Aufleben der Aktivität rechneten:







Danach ab ins Auto, noch ein letztes Mal Radar checken. Plötzlich eine Zellneubildung bei Hagen! Intensität zwar noch nicht gerade berauschend, aber es machte Hoffnung auf mehr. Und auch der Aufwind direkt vor uns sah nicht schlecht aus:




Aber wir gingen davon aus, dass auch dies nur ein kleines Strohfeuer sein wird. Doch wir irrten uns! Die Zelle verstärkte sich auf ihrem Weg Richtung Nordwest auf annehmbare Intensität und zog in Richtung Witten. Wir hatten jedoch nicht vor diese Zelle zu chasen, da ihr Aufwindturm zu verwischen begann. Also entschieden wir uns den Nachhauseweg anzutreten, wählten dabei aber unsere Route taktisch klug aus, um bei Bedarf richtig zu stehen. So wollten wir die Route über Bochum und nicht über die A1 nehmen. Zudem nutzten wir nicht die A43 nach Norden sondern fuhren Landstraße, um noch etwas hinter der Zelle zurückzubleiben. Als wir in Hattingen-Blankenstein waren, riefen wir erneut ein Radarbild auf, denn wir mussten uns nun entscheiden: Autobahn und ab nach Hause oder weiter der Zelle hinterher. Letzteres sollte angesagt sein, da die Zelle nun richtig Fahrt aufnahm! Wir telefonierten mit Fabian, der zu Hause in Bochum war und von der Intensität der ihn überquerenden Zelle sehr überrascht war. Also blieb uns nur eines im Licht der untergehenden Sonne: Wenn wir noch was sehen wollten, dann mussten wir Richtung Nordwesten fahren.
Nun wurde es kurios: Wir wollten im Bochumer Süden einen Beobachtungsplatz anfahren. Jedoch war die kleine Straße, die wir nutzen wollten durch Poller gesperrt. So waren wir gezwungen umzukehren, was sehr ärgerlich war, denn es kostete wertvolle Zeit. Die Zelle machte weiterhin keine Anzeichen schwächer zu werden. Aber sie befand sich nun direkt im Herzen des Ruhrgebietes zwischen Essen, Bochum und Gelsenkirchen. Keine Chance für uns da ran zu kommen, ohne direkt durch die Städte zu fahren. Das war's dann wohl? Ratlos fuhren wir Richtung Autobahn. Kommt Zeit, kommt Rat?! Denn inzwischen hatte sich eine zweite Zelle über Castrop-Rauxel verstärkt. Vielleicht unsere Rettung? Aber erstmal die Autobahn erreichen. Der schnellste Weg war mal wieder durch Poller versperrt... wegen Krötenwanderung... oh man! :-( Wieder Zeit verloren! Wenn wir noch mal an eine der Zellen herankommen wollten, musste es nun schnell gehen. Die westliche Zelle über Gelsenkirchen war weiterhin stark und die östliche Zelle über Castrop nahm weiter an Stärke zu, aber es wurde uns wohl nicht gegönnt schnell dorthin zu kommen. Schon leicht resignierend mussten wir uns wieder einen neuen Weg suchen. Schließlich und endlich erreichten wir dann die A 43. Nun hieß es schnell nach Norden, denn die östliche Zelle verstärke sich weiter und zog Richtung Recklinghausen, so dass wir auf der A43 goldrichtig waren. Auf den Radarbildern konnte man nun Ansätze superzellenverdächtiger Strukturen erkennen (Hook Echo). Das machte uns Mut. Wir holten die Zellen bei Recklinghausen ein.

Auf einem Rastplatz 1 km vor der Ausfahrt Marl-Sinsen blieben wir stehen, um die Lage zu checken. Mittlerweile zuckten recht schöne Blitze aus dem Aufwindturm der Zelle. Als wir aussteigen wollten, bekamen wir erstmal ein paar Hagelkörner von bis zu 1,5cm ab; also erstmal wieder ab ins Auto, denn wer weiß, was da noch kommen mag! Der Kern der Zelle befand sich schließlich nur knapp östlich von uns. Patrick fing an, sich Sorgen um sein Auto zu machen, denn der Hagel im Kern war mit Sicherheit noch deutlich größer. Aber wir hatten Glück und das Hauptniederschlagsfeld zog weiter Richtung Norden statt sich nach Westen zu verlagern.

Als wir uns sicher waren, dass die Zelle nun weit genug entfernt war, stiegen wir aus, um ein paar Eindrücke einzufangen. Die Position war recht ungünstig, aber es gab keine Alternative, als diesen Rastplatz als Beobachtungspunkt zu nehmen. Die Zelle zog so langsam, dass sie einfach zu nah war, um weiter Richtung Norden zu fahren:














(Danke an Michael A. für die Bearbeitung des letzten Bildes)


Die Blitze ermöglichten es trotz Dunkelheit den Aufwindturm sichtbar zu machen. Dieser ist sehr imposant gewesen, wie die Bilder zeigen.
Die Blitzrate war zwar mit ca. 5-15 Entladungen pro Minuten nicht gering, aber auch nicht ungewöhnlich hoch. Eigentlich könnte man sogar bei dem imposanten Radarbild mit einer höheren Blitzfrequenz rechnen. Die meisten Entladungen waren für uns nur als Wetterleuchten sichtbar, lediglich einzelne Verästelungen "schauten" aus der Zelle heraus. Ganze Blitzkanäle waren selten zu sehen; das meiste spielte sich also in der Wolke ab oder wurde wohlmöglich von dem Niederschlag verdeckt.
Über uns befand sich der Eisschirm des Backsheared-Amboss, der sich durch die Sterne und den städtischen Lichtquellen gut ausmachen ließ.
Nachdem ich ein paar Bilder im Kasten hatte, fuhren wir weiter. Wir wollten nach Marl-Sinsen, welches laut Radar genau in der Zugbahn des Cores gelegen haben muss. Am östlichen Ende des Autobahnzubringers L 522 fanden wir noch reichlich Hagelkörner im Gras neben der Straße. Eines davon hatte einen Durchmesser von 3 cm! Am Tage hätte man evtl. noch größere finden können. Alle Hagelkörner waren trüb (aufgrund von Lufteinschlüssen) und entstanden durch Zusammenlagerung von vielen kleineren Körnern.








Aufgrund der Größe gab Patrick eine Skywarn-Meldung ab. Als Allererster kam er in den Genuss, die neue Meldehotline in der Praxis zu testen ;-)
Nach einigen weiteren Fotos von der noch immer aktiven Zelle, stiegen wir wieder ins Auto und nahmen die Verfolgung auf:





Wir nutzten dabei die Autobahn A43 bis zur Ausfahrt Haltern, dann ging es weiter auf der B58 Richtung Westen, ehe wir rechts in eine Landstraße einbogen, die uns zu den Orten Strock und Lembeck führte. Auf dem Weg dorthin lagen viele Blüten auf der Straße herum. Hier und da war die Fahrbahnmarkierung abgesplittert. Inwieweit das mit dem Unwetter zusammenhing, konnten wir nicht feststellen. Hagel oder schwerwiegende Schäden an der Vegetation durch einen möglichen Downburst konnten wir auf dieser Strecke nicht sehen, was aber aufgrund der Dunkelheit nicht heißen muss, dass es keine Schäden im Zuge des Unwetters gab.
Zurück fuhren wir etwas anders Richtung Autobahn. Knapp südlich des Ortes Freiheit hielten wir noch einmal an. Statt nach Ostereiern suchten wir an diesem Ostersamstag noch einmal nach Hagelkörnern und wurden fündig. Einige waren noch ca. 2 cm groß, obwohl der Boden sehr nass war und der Hagelschlag mehr als eine Stunde zurück lag.



Auf den Feldern standen große Pfützen. Es musste hier also ordentlich geschüttet haben.

Nachdem wir noch einige Hagelkörner vermessen haben, fuhren wir nach Hause. Im Westen sah man noch einiges an Wetterleuchten von einer anderen Zelle westlich des Rheins.

Fazit:
Alles im allem war dies ein schönes Chasing zu Beginn der Saison, was Lust auf mehr macht. Kleines Manko war die Dunkelheit. Bei Tageslicht hätte man deutlich mehr von der Zelle sehen können. Der von Blitzen erleuchtete Aufwindturm deutete an, welche Schönheit die Zelle im Hellen gezeigt hätte. Zudem wäre eine Wallcloudsichtung bei Tageslicht durchaus denkbar gewesen, so stark und gut organisiert wie die Zelle war.
Aber es muss ja auch noch Ambitionen für weitere Chasings in dieser Saison geben!

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LG

Daniel, Patrick & Lars

ESTOFEX

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