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Nachdem die Gewittersaison 2009 im Raum Dortmund bisher alles andere als sehenswert war und auch am letzten Freitag (3.7.) zumindest gefühlt das Pech überwog, stand am Montag (6.7.) die erste richtig fotogene Lage im diesem Sommer an. Die Wetterlage machte zunächst auf den Modellkarten keinen besonders auffälligen Eindruck und dennoch war sie brisant. Denn anders als am Freitag war die Luftmasse eher gemäßigt, wenn auch feucht (Temperatur: 18-20 °C, Taupunkte um die 15 °C). Aufgrund dessen lagen die CAPE-Werte bei relativ unscheinbaren Werten von wenigen 100 J/kg (im Gegensatz zu Freitag, wo sie teilweise um 2000 J/kg lagen). Aber anders als am Freitag war signifikante Scherung im Spiel. Der Essener Sondenaufstieg zeigte um 12 UTC, dass sowohl Richtungs- als auch Geschwindigkeitsscherung vorhanden war. Während der Wind am Boden aus SSW mit 5 kn kam, drehte er mit der Höhe auf westliche Richtungen und kam bereits in 800 hPa mit 20 kn aus SW. In 500 hPa blies er mit strammen 40 kn aus SW. Durch die Höhenkaltluft, die rückseitig der Kaltfront vom Sonntag in den Westen Deutschlands floss, lag die Temperatur in 500 hPa um die -20 °C, so dass es trotz der relativ niedrigen Tops zur elektrischen Aktivität ausreichte. Durch diese Bedingungen war die Wetterlage nahezu perfekt für langlebige und fotogene Zellen.

{flv}Shelfcloud20090708|500|344|0{/flv}
Das mussten wir natürlich ausnutzen und fuhren erst einmal unabhängig voneinander raus. Daniel und Elmar fuhren gegen 20 Uhr zu ihrem Chasingpoint im Dortmunder Westen nahe der Uni. Ich (Patrick) fuhr etwa 20 min später los, weil ich noch die Langlebigkeit der Zelle an der Südspitze einer Squalline, die aus Westen anrollte, abwarten wollte. Um zu Daniel und Elmar zu fahren, reichte die Zeit nicht mehr, daher beschloss ich zum Dortmunder Flughafen zu fahren, um dort die Zelle "in Empfang zu nehmen". Als ich ankam sah ich schon die Shelfcloud am Horizont anrollen. Es dauerte nicht lange, da riefen Daniel und Elmar an und berichteten von einer imposanten mehrstöckigen Shelfcloud, die gerade über sie zog. Nachdem sie die nachfolgenden Bilder gemacht hatten, setzten sie sich ins Auto und steuerten meinen Standpunkt an.







 

Kurz danach erfuhr ich, dass sich auch Lars auf den Weg gemacht hat. Er wollte Richtung Lünen, also in die Richtung, in die sich der Kern der Zelle bewegte.
Während der ganze Zeit konnte ich an meinem Standort stehen bleiben und fotographieren, was das Zeug hält, ohne dass es nass oder gefährlich wurde, denn der Kern zog nördlich vorbei und die Shelfcloud zog sich wie ein langes Band Richtung Süden und überrollte mich schließlich, ohne dass dahinter noch Niederschlag war. Der südliche Teil der Shelfcloud war ein Überbleibsel des Outflows der Zelle, die sich nun weiter nach Norden verlagert hatte.





















Schließlich trudelten Elmar und Daniel ein. Auch Lars ließ nicht mehr lange auf sich warten, denn in Lünen hatte er nicht den erhofften Erfolg.
Wir ließen die Zelle und ihre Shelfcloud ziehen, denn a) schwächte sie sich ab und b) zeichnete sich Richtung Westen die nächste Squalline mit einer vorlaufenden Zelle ab, die zeitweise eine sehr verdächtige Absenkung besaß, die sich über mehrere Minuten hielt. Daher gaben wir vorsichtshalber eine Skywarn-Meldung ab.



Jetzt wurde es ein richtiges Farbenspiel, denn nördlich des aktivsten Teils der Squalline konnte man unter der Linie durchschauen und den abendlichen roten Himmel genießen. Links davon zuckten die Blitze mit zunehmender Frequenz. Einfach grandios! So sollte ein Chasing immer sein - einfach an Ort und Stelle über 1,5 Stunden stehen bleiben und ein schönes Foto nach dem nächsten schießen können!









Um 22:15 Uhr entwickelte sich dann direkt westlich von uns eine neue Zelle vor der Squalline, so dass wir uns vom Acker machen mussten, denn Starkregen, Hagel und Blitzschlag drohten.



Jetzt begann der dynamische Teil des Chasings. Wir fuhren Richtung Osten und kamen nach kurzem Starkregen wieder vor die Zelle, die nun von der Squalline eingefangen wurde. Westlich von Werl nahe der Ortschaft Siddinghausen fanden wir einen neuen Standpunkt und versuchten nun in der Dunkelheit Bilder von der Shelfcloud und den Blitzen hinter ihr zu machen.



Lange konnten wir uns dort aber nicht aufhalten. Als die Shelfcloud wieder bedrohlich nah war und der Outflow einsetzte, mussten wir leider unsere Stative wieder einfahren und uns in die Autos verdrücken. Aber überrollen lassen wollten wir uns noch nicht. Wir fuhren die B 1 und später die A 44 weiter Richtung Osten. Auf den ersten Kilometern dieser Fahrt bot sich ein eindrucksvolles Schauspiel. Die Shelfcloud hatte uns zwischenzeitlich überrollt und nun beleuchtete das Licht der Blitze hinter uns die tiefhängenden Zähne der Shelfcloud vor uns. In Soest suchten wir uns auf der B 229 einen neuen Beobachtungspunkt. Wieder hatten wir die Shelfcloud hinter uns gelassen und ließen sie ein drittes und letztes Mal auf uns zukommen.






Hier ließen wir uns dann von der Line überrollen. Der Inspeed registrierte eine Böe von 42 km/h. Nach Durchzug der Linie wechselten wir noch ein letztes Mal den Standort. Auf der B 1 am westlichen Ende von Soest erhofften wir uns noch einige schöne Blitzaufnahmen von der abziehenden Squalline. Es sollten mitunter die besten Nachtgewitteraufnahmen unserer bisherigen Chaser-Aktivität sein! Diese Bilder zeigen übrigens genau das, was u.a. von Sven und Ansgar schon mehrmals angemahnt wurde und nicht vergessen werden sollte: selbst in einer Entfernung von einigen Kilometern zum Kern ist man vor Blitzschlag nicht 100%ig sicher!











Die Zelle, die mindestens 4 dieser spektakulären Entladungen nach hinten "rauswarf" machte uns den Anschein, als wäre da Rotation im Spiel. Denn sowohl die Basis als auch der Eisschirm ließen verdächtige kreisförmige Strukturen in der Dunkelheit erahnen. Leider gelang es uns nicht diese Strukturen auf Foto zu bahnen. Selbst bei ISO 1600 ließ die erforderliche Belichtungszeit von 30 sec sämtliche Strukturen verwischen. Schade! Dennoch fuhren wir nach diesem schönen Chasing zufrieden nach Hause. Die Zufriedenheit war auch deshalb so groß, weil wir alle von dieser Wetterlage überrascht wurden, denn keiner hatte sich bis zum Nachmittag GFS-Karten für diesen Tag anschaut. Daher sag ich nur: