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Hallo zusammen,

 

Gewittertag Nr.7 stand auch für Dortmund bevor und sollte zeitlich nicht lange auf sich warten. Schon zum Vormittag entwickelten sich in feuchtlabiler Luftmasse die ersten durchaus sehr langlebigen konvektiven Zellen über dem Sauerland aus und zogen nur sehr langsam was auf retrograde Verhaltensweisen zurückzuführen ist. Das Windprofil war sehr schwach, sodass die Zellen in der Warmluft nur umher geschwommen sind. Da ich berufstätig bin, aber die Pause von 12:30 bis 13:30 Uhr bei uns geht, konnte ich etwa gegen 13 Uhr die erste Zelle in Richtung Sundern ablichten. Standort war abermals am Dortmund Flughafen:



Auch in Richtung Ruhrgebiet kam die Konvektion nun sehr stark voran und es bildeten sich rasch sehr interessante Quellungen aus:

 

Nun musste ich erstmal wieder zurück zur Arbeit, aber es dauerte nur ca. 15 Minuten, bis Lars auch am Flughafen ankam und wie in einer Art Staffellauf er nun die Kamera in die Hand nahm und auch erste Quellungen in Richtung Münsterland ablichten konnte:

 

Von einer etwas anderen Position am Dortmunder Flughafen blickte Lars nun noch einmal auf die Zelle über Sundern:

 

Und auch Tobias stand nur unweit von Lars' Position entfernt und hat ebenfalls die Zelle über Sundern ins Visir genommen:

 

Später dann bekam Lars den Anblick von schwach ausgeprägten Mammaten zu Gesicht:

 

Zu dieser Zeit hatte Patrick die Vorlesungen an der Uni hinter sich und stand nun am Dortmunder Hauptbahnhof wo auch er auf die Konvektion aufmerksam wurde. Langsam wurde es etwa 14:30 Uhr und die CB's erreichten immer höhere Schichten:

 

CB im Reifestadium:

 

Etwa eine Stunde später brachen wir dann zu fünft auf in Richtung Drensteinfurt, da die zellen einen nordöstlichen Kurs einschlugen. Wir wollten uns erst einmal vor die Zellen setzen, die noch vor der krassen Linie über dem Ruhrgebiet zogen, was uns zwar gelungen ist, doch man konnte sehr schnell erkennen, dass auch der Gammel vor den schönen Zellen bereits die Oberhand übernommen hat.

 

Standpunkt auf der A1 etwa bei Werne im Landkreis Unna:

 

Ankunft an unserem Chasingpoint zwischen Ahlen und Drensteinfurt bei Walstedde. Die Zellen im Blick:

 

Aus Richtung Osten bahnte sich Ungemach an:

 

Die Zelle organisierte sich nun zunehmends. Der Aufwindbereich wurde glatt und gut strukturiert. Es hatte den Anschein, als ob die herannahende Kaltfront für zusätzliche Hebung gesorgt haben könnte:

 

Nun ging es schnell und wurde ernst. Da die Zelle näher kam, ging es ab in unsere Autos, erst einmal noch beobachten, was nun passiert. Plötzlich bildete sich links vom Niederschlagskern der nunmehr sehr organisierten Zelle eine markante Absenkung am Aufwindbereich. Diese entwickelte sich binnen 5 Minuten:

 

Erstmal hieß es weg von den Strommasten... Wir sind ca. 150m weiter gefahren und hatten diese Absenkung vor Augen, wo ich nicht von einer Wallcloud spreche, aber noch eine Anmerkung machen möchte:

 

Wie man auf dem folgenden Panorama sehen kann, war diese Absenkung sehr inflowdominant. Das Band links wurde sehr schnell angesogen und diente als Anbaumittel für diesen Aufwindbereich. Möglicherweise handelte es sich einfach nur um sehr massiv abfallende Feuchtekonvektion, aber sehr verdächtig war dieser Zellbereich schon. Aus dem Inflowbereich gingen immer wieder Erdblitze nieder.

 

Hier noch ein weiteres Bild von Elmar:

 

Kommen wir mal zu einer wichtigen Episode des allgemein angesprochenen Sicherheitsaspektes: Ich will niemanden belehren oder in irgendeiner Art und Weise oberlehrerhaft wirken, aber es gibt Dinge, die sollten von allen beherzigt werden: In einer derartigen Situation sollte vom Aussteigen aus dem Auto abgesehen werden, denn das hatte seinen Grund!

 

Wir standen vor der Zelle und die Straße war sehr schmal. Hinter uns kam eine Autofahrerin, die nicht an uns vorbei kam, mir aber mit Handzeichen signalisierte, dass sie gerne durch möchte. So bin ich etwa 100m vor gefahren und ließ sie passieren. Neben mir stand eine Baumreihe in L-Form. Als ich zurücksetzen wollte, um wieder von den Bäumen weg zu kommen, schlug ca. 15m rechts von meinem Auto der Blitz in den Baum ein. Der Funkenflug sowie der Knall waren wirklich sehr enorm, die Vibrationen am Auto werde ich so schnell nicht vergessen. Zum Glück hatten wir eine Minute zuvor die Fensterscheiben geschlossen, ansonsten hätte man durchaus einen Trommelfellriss riskiert.

 

Nach diesem sehr eindrucksvollen Moment fuhren wir auf einen Rastplatz der A2 und schauten auf das Radar. Ein Anruf von Fabian folgte nun. Von der UWZ aus konnte er eine mehrstöckige Shelfcloud beobachten, die auf Bochum zu rollte. Diese Linie wurde nun sehr interessant für uns, da die Zellen nordöstlich langsam schwächer wurden. Da wir eh wieder Richtung Dortmund mussten, beschlossen wir dies auch zu tun, um eventuell die Shelfcloud von einem Standpunkt aus zu beobachten. Leider war die Shelfcloud mittlerweile sehr schnell, was bedeutete, dass wir sie nicht mehr richtig chasen konnten. Zu allem Unglück wählten wir nun noch die falsche Autobahn, sodass wir die Shelf ziehen lassen mussten. Patrick gelangen noch 2 Aufnahmen aus Lars' seinem Auto heraus. Standpunkt war in etwa auf der A2 bei Hamm-Pelkum:

 

 

Im Zusammenhang mit der Linie mit Bowecho-Charakter möchte ich noch auf den Bericht von Fabian nach dem Ereignis verweisen, den er in der WZ gepostet hatte:

 

http://www.wzforum.de/forum2/read.php?8,1645200

 

Das Ausmaß der Linie war schon atemberaubend. Das allgemeine Problem von Chasings in Stadtgebieten hat uns aber diesmal geholfen. Wären wir direkt zur Linie gefahren, dann wären wir zu schnell Spielball der Linie geworden. So gesehen haben wir das Beste aus dem Tag gemacht.